Kinder kommen mit unterschiedlichen Erfahrungen, Interessen, Stärken und Lernvoraussetzungen in die Schule. Sie lernen nicht alle zur gleichen Zeit auf die gleiche Weise.
Lernen ist ein eigener Prozess
Lernen kann niemand einem Kind abnehmen. Kinder setzen sich mit neuen Fragen auseinander, probieren aus, üben, machen Fehler, entdecken Zusammenhänge und verändern dabei ihr Wissen und Können. Lehrkräfte und pädagogische Mitarbeitende gestalten dafür Lerngelegenheiten, geben Orientierung und unterstützen die Kinder.
Unterschiedliche Wege zum Lernen
Der Weg zu einem gemeinsamen Lernziel kann unterschiedlich aussehen. Wir beobachten Lernwege aufmerksam, geben Rückmeldungen und unterstützen Kinder mit passenden Aufgaben und Hilfen. Manchmal braucht ein Kind zusätzliche Unterstützung, in anderen Situationen eine neue Herausforderung oder mehr Raum für einen eigenen Lösungsweg.
Was ein Kind heute noch nicht kann, legt nicht fest, wie es sich weiterentwickeln wird.
Selbstständig und gemeinsam lernen
Kinder erhalten Gelegenheiten, eigene Lösungswege zu erproben, Verantwortung für ihre Arbeit zu übernehmen und zunehmend einzuschätzen, was ihnen beim Lernen hilft. Gleichzeitig entstehen viele Lernprozesse im Austausch: beim gemeinsamen Überlegen, Erklären, Vergleichen und Arbeiten.
Fördern und herausfordern
Unterstützung bedeutet nicht für jedes Kind dasselbe. Aufgaben, Hilfen und Anforderungen können sich unterscheiden, weil Kinder an unterschiedlichen Stellen ihres Lernweges stehen. Es geht darum, Schwierigkeiten ernst zu nehmen, passende Unterstützung anzubieten und zugleich neue Herausforderungen zu eröffnen.
Rückmeldung gehört zum Lernen
Kinder brauchen Rückmeldungen, um einschätzen zu können, was ihnen bereits gelingt, woran sie weiterarbeiten können und welche nächsten Schritte sinnvoll sind. Fehler gehören zum Lernen und können Ausgangspunkt dafür sein, neu zu überlegen und weiterzulernen.
Was Lernen mitprägt
Das Kind
Kinder sind selbst die Handelnden in ihrem Lernprozess. Sie bringen Erfahrungen, Interessen, Fragen, Wissen und unterschiedliche Voraussetzungen mit.
Begleitende Menschen
Lehrkräfte, pädagogische Mitarbeitende und andere Kinder gestalten Lerngelegenheiten, geben Orientierung und eröffnen Austausch.
Der Raum
Unterschiedliche Materialien, Arbeitsplätze und Lernorte können konzentriertes, gemeinsames und praktisches Lernen unterstützen.
Die Zeit
Lernen braucht Zeit und folgt nicht immer demselben Rhythmus. Kinder benötigen Gelegenheiten zum Ausprobieren, Üben, Vertiefen und Wiederholen.
Lernen entsteht im Zusammenspiel
Kind, begleitende Menschen, Raum und Zeit lassen sich im Schulalltag nicht voneinander trennen. Unsere Aufgabe besteht darin, dieses Zusammenspiel aufmerksam zu gestalten und immer wieder zu prüfen, welche Bedingungen Lernen und Entwicklung unterstützen.
Arbeits- und Sozialverhalten
Neben den fachlichen Leistungen gibt das Zeugnis auch eine Einschätzung des Arbeits- und Sozialverhaltens eines Kindes. Diese Rückmeldung soll sichtbar machen, wie ein Kind sein Lernen gestaltet und wie es sich in die schulische Gemeinschaft einbringt.
Auf Grundlage eines Beschlusses der Gesamtkonferenz vom 6. November 2024 ergänzen wir die zusammenfassende Bewertung des Arbeits- und Sozialverhaltens durch Hinweise auf einzelne Teilbereiche. So soll für Kinder und Eltern nachvollziehbarer werden, welche Stärken bereits sichtbar sind und an welchen Stellen weitere Entwicklung möglich ist.
Die zusammenfassende Einschätzung erfolgt in fünf Abstufungen
- „… verdient besondere Anerkennung“
Diese Bewertung wird vergeben, wenn das Verhalten die Erwartungen in besonderem Maße erfüllt und einzelne Aspekte besonders positiv hervortreten.
- „… entspricht den Erwartungen in vollem Umfang“
Diese Bewertung wird vergeben, wenn das Verhalten den Erwartungen vollständig und zuverlässig entspricht.
- „… entspricht den Erwartungen“
Diese Bewertung beschreibt ein Verhalten, das den alters- und jahrgangsbezogenen Erwartungen insgesamt entspricht. In einzelnen Teilbereichen können besondere Stärken ebenso wie weitere Entwicklungsmöglichkeiten sichtbar sein.
- „… entspricht den Erwartungen mit Einschränkungen“
Diese Bewertung wird vergeben, wenn das Verhalten den Erwartungen insgesamt noch entspricht, in einzelnen Teilbereichen jedoch deutlicher Entwicklungsbedarf besteht.
- „… entspricht nicht den Erwartungen“
Diese Bewertung wird vergeben, wenn das Verhalten den Erwartungen insgesamt oder in wesentlichen Teilbereichen nicht entspricht.
Die Erwartungen entwickeln sich mit zunehmendem Alter und steigen entsprechend der Klassenstufe.
Die zusammenfassende Bewertung des Arbeits- und Sozialverhaltens wird von den unterrichtenden Lehrkräften gemeinsam im Rahmen der Zeugniskonferenz beraten und beschlossen. In Elterngesprächen können die Bewertungen und die zugrunde liegenden Beobachtungen näher erläutert werden.
Zum Arbeitsverhalten gehören insbesondere
- Leistungsbereitschaft
- Ziel- und Ergebnisorientierung
- Selbstständigkeit
- Sorgfalt
- Ausdauer
- Verlässlichkeit
- Zeit (Arbeitstempo)
Aufgaben in einer angemessenen Zeit bearbeiten und das eigene Arbeitstempo der jeweiligen Aufgabe entsprechend gestalten.
- Hausaufgaben
- Organisation des Arbeitsmaterials
- Kooperationsfähigkeit
Zum Sozialverhalten gehören insbesondere
- Reflexionsfähigkeit
- Konfliktfähigkeit
- Einhalten von Regeln und Vereinbarungen
- Hilfsbereitschaft
- Achtung anderer und Fairness
- Übernahme von Verantwortung
- Mitgestaltung des Gemeinschaftslebens
Lernen geht über einzelne Fächer hinaus
Grundschule vermittelt Wissen und Fähigkeiten in verschiedenen Unterrichtsfächern. Gleichzeitig lernen Kinder, Entscheidungen zu treffen, Arbeit zu organisieren, mit Erfolg und Misserfolg umzugehen, anderen zuzuhören, eigene Gedanken zu vertreten, Konflikte zu lösen und Verantwortung zu übernehmen.
